Schneller Rüsten nach SMED – Teil 1: Vom chaotischen zum geplanten Rüstvorgang

Rüstvorgänge gehören zu den unausweichlichen Tätigkeiten in der Produktion, werden jedoch in vielen Unternehmen noch immer intuitiv ausgeführt. Besonders in Betrieben ohne SMED-Erfahrung (Single Minute Exchange of Die) zeigt sich ein klares Muster: Jeder Rüster hat seine eigene Vorgehensweise, feste Abläufe existieren kaum, die Anzahl der eingebundenen Personen variiert und eine strukturierte Vorbereitung des Rüstvorgangs findet oft nicht statt. Das Ergebnis ist ein Rüstprozess, der durch ständige Unterbrechungen geprägt ist – mit erheblichen Maschinenstillständen und einer unnötigen Verschwendung von Zeit und Ressourcen.

Der erste Schritt in Richtung schnelleres Rüsten beginnt deshalb nicht mit dem Stoppuhr-Messen oder technischen Umbauten, sondern mit einer grundlegenden Auseinandersetzung mit dem Rüstprozess selbst. Wer verstehen möchte, warum ein Rüstvorgang lange dauert, muss zunächst erkennen, was alles notwendig ist, um ihn ohne Unterbrechung durchführen zu können. In der Praxis zeigt sich: Bei einem nicht vorbereiteten Werkzeugwechsel werden während des Stillstands ständig Materialien, Werkzeuge, Aggregaten oder Informationen gesucht. Diese Such- und Wartezeiten zählen zu den „Low Hanging Fruits“ einer Rüstzeitoptimierung – sie können ohne großen Aufwand drastisch reduziert werden.

In vielen Unternehmen führt allein die gründliche Vorbereitung des Rüstvorgangs zu einer Halbierung der Rüstzeit. Entscheidend ist, alle benötigten Ressourcen vor Rüstbeginn vollständig bereitzulegen. Dabei sollten folgende Bereiche systematisch überprüft werden:

1. Werkzeuge, Automationsmittel und Hilfsaggregate

  • Sind die einzubauenden Werkzeuge, Automationsmittel und Hilfsaggregate – etwa Rüttler, Bänder, Rutschen, Öler, Hydraulikaggregate oder Gewindeformer – vollständig vorbereitet und einsatzbereit?

2. Verpackungen, Hilfsmaterialien und Produktionsmaterial

  •  Stehen Verpackungen und Hilfsmaterialien wie Pappen, Folien, Zwischenlagen oder Reinigungsmittel in ausreichender Menge bereit?
  •  Sind alle benötigten Vorrichtungen wie Stapler, Kran, Wechselvorrichtungen oder Lastaufnahmemittel verfügbar?
  •  Ist das Produktionsmaterial (z. B. Coils) vollständig an der Anlage?

3. Qualitätskontrolle

  • Kann die Produktion nach dem Rüstvorgang ohne Verzögerung anlaufen?
  • Liegen qualitätsrelevante Informationen des Werkzeugbaus vor?
  • Sind Lehren für einen Quick-Check bereitgestellt und die Prüfbedingungen definiert?
  • Ist die für die Produktfreigabe zuständige Person informiert und verfügbar?

4. Mitarbeiter und Organisation

  •  Steht die standardisierte Anzahl an Mitarbeitern bereit?
  •  Sind diese im Ablauf geschult, und wurden Abweichungen oder Besonderheiten vorab besprochen?
  •  Sind Instandhaltung, Werkzeugbau sowie Schicht- und Presswerkleitung informiert?

5. Anweisungen, Einstellwerte und Standards

  • Liegen alle notwendigen Anweisungen vor?
  • Sind Einstellwerte aktuell und abrufbar?
  • Sind Rüststandards vorhanden, visualisiert und bekannt?

6. Historie und Energieversorgung

  • Wurden Probleme früherer Rüstvorgänge berücksichtigt?
  • Sind alle für die Produktion benötigten Energien vorhanden und geprüft?

Ein unterbrechungsfreier Rüstvorgang entsteht nicht durch Zufall – er ist das Ergebnis konsequenter Vorbereitung. Checklisten sind dabei das zentrale Werkzeug: analog zum Abhaken oder digital im MES bzw. Shopfloor-System integriert. Die Regel lautet: Kein Rüstvorgang ohne Rüstvorbereitung. Nur so gelingt der Übergang vom chaotischen zu einem planbaren, stabilen und deutlich schnelleren Rüstprozess.

Möchten Sie die Konzepte von SMED direkt in Ihrem Betrieb umsetzen und Rüstzeiten messbar verkürzen? In unserem praxisorientierten Inhouse-Workshop „Schnelles Rüsten nach SMED“ zeigen wir Schritt für Schritt, wie Rüstvorgänge analysiert, vorbereitet und standardisiert werden. 

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