Wir reden viel darüber, Transferwerkzeuge für höhere Hubzahlen auszulegen – doch ausgerechnet die Kollisionsprüfung bremst uns dabei oft aus. Der klassische Weg über Freigängigkeitskurven ist zeitintensiv, unübersichtlich und fehleranfällig. Dabei geht es deutlich einfacher. Dieser Artikel zeigt den Weg: von der 2D-Lösung vom Zeichenbrett hin zum 3D-Taburaum.
Das Problem: Eine 2D-Lösung für ein 3D-Problem
Die konventionelle Kollisionsprüfung mit Freigängigkeitskurven stammt konzeptionell noch vom Zeichenbrett – und genau das merkt man ihr an. Für Ober- und Unterwerkzeug müssen unzählige Kurven angelegt werden, und jede einzelne bringt dieselben Schwierigkeiten mit sich.
Der Prozess ist zeitintensiv: Eine einzige Änderung am Bauteil oder an der Transferkurve bedeutet, alles neu aufzubauen. Export, Import und die Positionierung im CAD erfolgen manuell. Der Anlegepunkt ist uneindeutig und erfordert Erfahrung – ein Einfallstor für Fehler. Bei der anschließenden Prüfung und Freigabe wiederholen sich dieselben Probleme noch einmal. Und je mehr Kurven im Modell liegen, desto unübersichtlicher wird es: Überlappende Kurven verdecken genau die kritischen Stellen, die man eigentlich sehen will.
Der klassische Ansatz – ein Geflecht aus dutzenden Freigängigkeitskurven. Überlappungen verdecken kritische Stellen, jede Änderung erzwingt den kompletten Neuaufbau.
Besonders deutlich wird die Grenze des Verfahrens bei komplexeren Bewegungen: Pneumatisch ausgeführte Bauteil-Kippungen, Schrittänderungen oder das Wenden des Bauteils lassen sich mit Kurven kaum sauber darstellen. Im Grunde versucht man, ein dreidimensionales Problem mit zweidimensionalen Mitteln zu lösen.
Die Lösung: 3D-Taburäume als Sweep-Volumen
Die Antwort liegt auf der Hand – sie ist nur konsequent dreidimensional gedacht: Statt vieler Kurven definieren zwei Sweep-Volumen die Taburäume für das Werkzeug. obviFLOW transformiert dazu alle mit dem Transfer bewegten Elemente entlang ihrer Bewegungsbahnen und erzeugt daraus zwei Volumen-Geometrien, die jede kritische Kontur abdecken.
Der Unterschied im Arbeitsalltag ist enorm. Statt dutzende Kurven zu verwalten, werden nur noch zwei Elemente positioniert – statisch im Grundmodell eingefügt, leicht austauschbar und sofort prüfbar. Und zwar durch jeden im Team, nicht nur durch den erfahrenen Spezialisten, der weiß, wo der Anlegepunkt hingehört. Kollisionsfreiheit wird schlicht sichtbar.
Zwei Volumenkörper statt dutzender Kurven – die Sweep-Volumen decken alle kritischen Konturen ab und machen Kollisionsfreiheit auf einen Blick prüfbar.
Der Bonus: Hubzahl und Stößelgeschwindigkeit inklusive
Ein Aspekt macht die Sweep-Volumen besonders wertvoll: In jedem Volumen steckt implizit die erreichbare Hubzahl samt zugehöriger Stößelgeschwindigkeit. Damit liegt die ideale Grundlage vor, um Werkzeugelemente wie Führungen oder Federn gezielt auszulegen – man konstruiert direkt auf die Ziel-Hubzahl, quasi nebenbei.
Fazit
Mehr Übersicht, schnellere Konstruktion, freigängigere Werkzeuge und am Ende eine höhere Pressenausbringung: Mit der aktuellen Version obviFLOW 26_1 lässt sich das alles mühelos erzeugen. Schluss mit dem Jonglieren unzähliger Kurven – ein kleiner Klick im Modell, ein großer Sprung im Durchlaufplan. 🌗
